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Schaffhauser Nachrichten 29. Januar 2016

Der Kampf gegen die Wohlstandsträgheit

Seit 15 Jahren existiert die Nationale Elitesportschule Thurgau in Kreuzlingen (NET), die von Mirko Spada geführt wird. Seit Beginn besuchen auch Schaffhauser Sportler die Privatschule. Derzeit sind es sieben Talente.

VON DANIEL F. KOCH, KREUZLINGEN

 

Die Schaffhauser an der Nationalen Elitesportschule Thurgau (von links): Dshamilja Zeneli (Taekwondo), Yannick Hägele (Eishockey), Linus Wanner (Mountainbike), Wanja Russenberger (Mountainbike), Lakith Jayanetti (Tischtennis), Ning Hagenauer (Taekwondo) und Milena Sulzer (Dressurreiten). Hinten steht Schulleiter Mirko Spada. Bild Daniel F. Koch

Sporttalente«Ich versuche Kindern immer beizubringen, dass die Priorität bei der Schule 1a und beim Sport 1b ist», sagt Mirko Spada, Schulleiter seit Gründung der NET, die offiziell das Label «Swiss Olympic Sport School» tragen darf. Dies möchte der ehemalige Zehnkämpfer, der diese professionelle Sportschule zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat, seinen Schützlingen mit auf ihren Lebensweg geben. In einem Land wie die Schweiz hat die schulische Ausbildung immer einen höheren Stellenwert als die sportlichen Perspektiven, die bei einigen durchaus in einer Profilaufbahn enden. «Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, die Schweiz ist nun mal keine Sportnation. Dem gilt es in der Ausbildung Rechnung zu tragen.»

Kosten werden aufgeteilt

Trotzdem ist es Spada gelungen, die Sportschule auch politisch so zu positionieren, dass vor allem im Thurgau und in Schaffhausen die Arbeit mit den Sporttalenten, die persönlich einen grossen Aufwand betreiben, um neben ihrem Sporttalent auch ihre schulische Ausbildung voranzutreiben, anerkannt und unterstützt wird. So bezahlt Schaffhausen pro Schüler 19 800 Franken jährlich an die Schule, der Kanton und die Wohnortgemeinde teilen sich die Kosten. Ein Schulplatz kostet 24 000 Franken. Die Differenz tragen die Eltern. «Das heisst, ein Leistungssportler ist nicht teurer als ein normaler Schüler», weiss Spada. Auch wenn die Erfolge seiner Schülerinnen und Schüler, die man bei einer derartigen Einrichtung in Form von Medaillen, Rekorden und Spitzenplätzen an Meisterschaften messen kann, nicht garantiert sind, kommt unter dem Strich einiges zusammen. Als Beispiel könnte man Marcel Hug erwähnen, den mehrfachen Welt- und Europameister im Rennrollstuhlsport. Ebenso den einzigen Schaffhauser Eishockeyspieler, Lorenz Kienz- le. Beispiele aus anderen Sportarten gäbe es noch viele.

Mirko Spada ist davon überzeugt, dass seine insgesamt 60 Schützlinge aus den verschiedensten Sportarten auf eine Ausbildung treffen, die als Lebensschule gilt. Wichtig ist es dem vor wenigen Tagen zum dritten Mal Vater gewordenen Spada, dass die NET-Schüler nach neuesten Erkenntnissen ausgebildet werden. «Die NET ist in der Schweiz ein Vorbild, weil wir die einzige reine Swiss Olympic Sport School auf der Oberstufe in der Schweiz sind.» Darum sei es von existenzieller Bedeutung, regelmässig neue Reize zu bieten und die Trainingsprinzipien des Sports anzuwenden. Die Vielfalt in der Ausbildung zu erhalten, sei darum unwahrscheinlich wichtig. «Wir müssen immer wieder bereit sein, an die Grenzen zu gehen, um uns weiterzuentwickeln», sagt Spada. Eine Aufgabe, die seit den Anfangsjahren der Elitesportschule immer komplexer wurde. «Unser grösster Feind ist die durch den Wohlstand verursachte Trägheit.» Spada sieht da durchaus einen Zusammenhang mit dem immer umfangreicher werdenden Schulstoff und den neuen Medien. «Das nimmt einem Kind die Freiheit, sich richtig zu entwickeln», ist er überzeugt. Dass die NET-Schüler sich im Lieblingssport abreagieren können, sei die beste Antwort.

Das NET-Konzept hat sich bewährt, ist erfolgreich und eine Sache, die mittlerweile das Interesse anderer Regionen geweckt hat. Selbst aus dem Ausland sind schon Anfragen in Kreuzlingen eingegangen. Das Modell dieser Elitesportschule wird als interessant und nachahmenswert empfunden. «Meine Vision ist, das Konzept auch in andere Regionen der Schweiz zu übertragen», sagt Mirko Spada. Dann wäre es möglich, die Kräfte zu bündeln und flächendeckend zu arbeiten. Momentan gibt es in St. Gallen rund zehn sportermög­lichende Schulen. Allein im Thurgau sind es fünf Tagessportschulen mit definierten Sportarten. Eine Bündelung würde die Qualität der Ausbildung sicher noch weiter verbessern.

Schaffhauser im NET Den Schritt nie bereut, das Pendeln als Dauerzustand

Derzeit sind sieben Talente aus dem Kanton Schaffhausen in der Nationalen Elitesportschule Thurgau (NET). Gemeinsam ist allen, dass sie täglich aus ihren Wohngemeinden an den Bodensee pendeln müssen. Von Schaffhausen bis Kreuzlingen ist man etwas mehr als eine Stunde unterwegs. Das ist für die jungen Sportler kein Problem. «Wir haben uns für diesen Weg entschieden, darum nehmen wir das in Kauf», sagt beispielsweise die Taekwondo-Sportlerin Ning Hagenauer. Durch den Wechsel von den öffent­lichen Schulen ihrer Wohnorte zur Elitesportschule nach Kreuzlingen hat sich für alle Talente als wesentliche Änderung auch der Freundeskreis verschoben. Von den alten Kolleginnen und Kollegen sind nur wenige geblieben. «Der neue Freundeskreis setzt sich vor allem aus den Schulkollegen, die ebenfalls in der NET sind, zusammen», erzählt Linus Wanner. Aber das sei absolut normal und kein Problem, so die einhellige Meinung.

·Ning Hagenauer (Taekwondo):Die 15jährige Schaffhauserin ist seit 2013 in der NET und wird dieses Jahr die Schule beenden. «Ich möchte mich vor allem für die WM in Kanada qualifizieren und an internationalen Wettkämpfen gute Resultate erzielen», sagt die Kämpferin von der Kim Taekwondo Schule Schaffhausen. Sie wird im Sommer dann auf die Pädagogische Maturitätsschule Kreuzlingen wechseln.

·Dshamilja Zeneli (Taekwondo):Die 16jährige Schaffhauserin absolviert wöchentlich bis zu zwölf Trainingseinheiten in Wattwil und Biel. Im Sommer wird sie von der NET abgehen. Sie hat sich für die SMS-Prüfung angemeldet. Sportlich möchte sich Zeneli bei den nächsten G-1-Turnieren (internationale Klasse) durchsetzen und viele Erfahrungen sammeln.

·Milena Sulzer (Dressurreiten):Die 13jährige Reiterin von der Reitgesellschaft Thayngen hat ihr sportliches Heimatdomizil im Steinackerhof in Dörflingen. Milenas Ziel ist vorderhand die Qualifikation für die Schweizer Meisterschaften. Neben Schule und Lernen verbringt Sulzer zwei Stunden täglich beim Reittraining. Dreimal pro Woche gibt es Kraft- und Konditionstraining.

·Lakith Jayanetti (Tischtennis):Der 14jährige Schaffhauser spielt beim TTC Neuhausen. Derzeit ist ­Lakith in der Leistungsklasse A16 eingestuft. Wöchentlich übt Jayanetti rund 15 Stunden. «Mein Ziel in diesem Jahr ist es, das Halbfinale der Schweizer Meisterschaft in meiner Altersklasse zu erreichen.»

·Linus Wanner (Mountainbike):Der 13jährige Merishauser trainiert sowohl auf dem Mountainbike wie auch auf der Strasse. Die Teilnahme an den Europameisterschaften einerseits und andererseits gute Resultate erreichen beim Swiss-Cup nennt Linus als seine hauptsächlichen Ziele für das Sportjahr 2016.

·Wanja Russenberger (Mountainbike):Der 13jährige Merishauser mit dem in der hiesigen Radsportszene so bekannten Namen hat in seinem Umfeld viele erfahrene Tippgeber. Vater, Onkel und Bruder sind alles namhafte Velosportler. «Mein Ziel ist es, in die Top 15 des Swiss-Cups zu kommen. Ausserdem möchte ich mich bei meinen regionalen Rennen auf dem Podest klassieren», erklärt Wanja Russenberger.

·Yannick Hägele (Eishockey):Der 14jährige aus Stein am Rhein träumt mittelfristig von einer Karriere in der NLA oder sogar von einem Aufstieg in die beste Eishockey-Liga der Welt, in die NHL. Bis es aber so weit ist, das weiss Yannick natürlich selbst, muss er noch viel Arbeit investieren. Kurzfristiges Ziel ist, mit seinem Club Pikes Oberthurgau nicht abzusteigen und später sich in der Altersklasse Novizen Elite durchzusetzen. Im Sommer, so Schulleiter Mirko Spada, werden weitere Schaffhauser Jungsportler in die NET kommen. Ein Tischtennisspieler und zwei Kunstturner haben sich dafür entschieden, Schul- und Sportausbildung ideal zu verbinden. Etwas, was Spada positiv stimmt. Je breiter das Sportartenangebot ist, desto besser ist das für die Zukunft der Schule.(dfk)

 

 

 

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